Der 15. Mai 2021 wird wohl in die Vereinsgeschichte der SPG Walter Wels aber auch in die der Sportstadt Wels eingehen. Es war jener Tag in dem der Welser Vorzeigeverein erstmals in seiner 33-jährigen Vereinsgeschichte in ein Finale im Europacup einzog und damit den größten Erfolg auf der internationalen Tischtennisbühne feierte. Beim Finalturnier im kroatischen Varazdin starten die Welser am Donnerstag in der Gruppenphase gleich sehr stark in das Finalturnier und bezwangen zum Auftakt in Gruppe C den spanischen Vertreter Irun Leka Enea mit 3:0, wobei die Messestädter dabei im gesamten Spielverlauf nur einen Satz abgeben mussten. Deutlich schwieriger gestaltete sich die Aufgabe im zweiten Gruppenspiel am Freitag gegen den ungarischen Meister aus Pecs, bei dem zwei langjährige Welsspieler nämlich Lehel Demeter und der Serbe Zsolt Petö unter Vertrag stehen. Auch wenn die Waltermannen am Ende mit 3:1 das bessere Ende für sich hatten, war das Spiel über weite Strecken mehr von Kampf und Krampf als von Spielwitz und Dominanz geprägt. Besonders Adam Szudi, noch immer nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, zog gegen seinen Landsmann Gerold Gabor den Kürzeren. Mit diesem Sieg konnten die Welser aber den Gruppensieg einfahren und mussten sie damit am Freitag am Abend im Viertelfinale gegen den tschechischen Klub aus Ostrava an die Platte. Die Tschechen waren für die Welser keine Unbekannte, da man in der Vergangenheit in der Gruppenphase der Champions League schon zweimal aufeinander traf und die Bilanz dabei ausgeglichen ist. Am Freitagabend gewannen die Welser das Viertelfinale mit 3:0. Die beiden ersten Partien zwischen Frane Kojic und Felipe Olivares sowie von Andreas Levenko gingen dabei jeweils über die volle Distanz von fünf Sätzen. In beiden Fällen Gott Lob immer mit dem besseren Ende für die Messestädter. Spiel drei zwischen Adam Szudi und der Legende von Ostrava Petr Korbel war dann aber mit 3:0 eine klare Sache für den Ungarn im Dress der Waltermannen und rehabilitierte er sich dabei für seine schwache Vorstellung im Gruppenspiel gegen Pecs. Wels stand damit im Halbfinale, dem Ziel das sich sowohl Verein wie auch die Spieler selbst zum erklärten Ziel vor Turnierbeginn gesetzt hatten.

Im Halbfinale am Samstagvormittag traf man dann auf den italienischen Meister und Topclub Top Spin Messina, der nach der Papierform in der Favoritenrolle zu sehen war. Dies deshalb, da die Sizilianer mit dem Portugiesen Joao Monteiro und dem Franzosen Andrea Landrieu zwei absolute europäische Topspieler in ihren Reihen stehen haben und auch der Italiener Piccolin kein schlechter seiner Zunft ist. In diesem Spiel wuchsen alle Welsspieler über sich hinaus und gingen sie teils an die Grenzen ihres spielerischen Leistungspotentials. Gott Lob hielten in den entscheidenden Phasen auch die Nerven bei den Spielern und hatten sie das Glück des Tüchtigen an ihrer Seite. Alle drei Spiele zwischen Frane Kojic, Andreas Levenko und Adam Szudi gegen ihre Gegner Andrea Landrieu, Joao Monteiro und Jordy Piccolin gingen dabei über die volle Distanz von 5 Sätzen, wobei besonders Andreas Levenko in seiner Partie gegen den Haudegen Joao Monteiro Klasse und mentale Stärke zeigte indem er ein 5:2 für den Portugiesen in Satz 5 noch in beeindruckender Weise in ein 6:5 für ihn drehte und damit mit dem kleinsten möglichen Vorsprung die Partie für sich entschied. Kurz nach 13:00 Uhr Ortszeit war der Einzug ins Europacupfinale in trockenen Tüchern für Wels und ein historischer Moment für den Verein schon jetzt erreicht. Zeit zum Nachdenken blieb aber nicht sondern galt es bis zum Finale um 19:00 Uhr gegen den haushohen Favoriten und in der Vergangenheit auch Gewinner der Champions League Pontoise Cergy aus Frankreich noch einmal die Akkus zu laden und sich dem finalen Kampf gegen die Franzosen zu stellen. Im Finale selbst zeigte der Außenseiter aus Wels, dass er zu Recht im Finale stand und zeigte man über mehr als Zweieinhalbstunden gegen Cergy teils tolles Tischtennis. Frane Kojic musste sich in vier engen umkämpften Sätzen knapp gegen den Franzosen Robinot mit 1:3 geschlagen geben. Ein absolutes Ausrufezeichen setzte dann der erst 22-jährige österreichische Teamspieler Andreas Levenko gegen den arrivierten Deutschen und ehemaligen Teamspieler Patrick Baum beim 3:2 Einzelerfolg, wobei er Satz 5 mit 6:5 für sich entschied. Levenko war im Übrigen der Mann des Turniers aus Sicht der Welser gewann er doch im Verlauf alle seine sechs Spiele. Eine Vorentscheidung brachte dann leider zu Ungunsten der Waltermannen die Partie zwischen Adam Szudi und Adrien Mattenet. Nach vier Sätzen stand es 2:2, sodass auch hier die Entscheidung in einem kurzen auf sechs Gewinnpunkte gehenden 5. Satz fallen musste. Szudi kam gut in den Satz und hatte bei 5:2 schon drei Matchbälle für sich. Leider riss bei ihm dann der Nervenfaden und konnte der arrivierte Adrien Mattenet noch mit Nervenstärke und ein bisschen Glück den Satz auf 6:5 für sein Team drehen. Im vierten Spiel zwischen Frane Kojic und Patrick Baum zeigte der Deutsche zum Leidwesen der Welser warum er zu seiner besten Zeit schon einmal auf Rang 18 der Welt stand und siegte er mit 3:0 gegen Kojic. „Wir haben in diesen Tagen in Varazdin großartiges für unseren Verein, unsere Freunde und Gönner und die Sportstadt Wels geleistet und können alle Spieler und Betreuer David Huber mit Stolz die Heimreise antreten“, so Wels Präsident Bernhard Humer. Die Bedeutung dieser Leistung wird wohl allen erst in den nächsten Tagen bewusst.