Wie knapp im Sport der Grad zwischen Sieg und Niederlage liegt, mussten die Spieler und Funktionäre der SPG Walter Wels im Staatsligafinale am Wochenende in Baden gegen die SG Stockerau selbst hautnah miterleben. Konnte man noch vor drei Wochen vor heimischen Publikum die Niederösterreicher im letzten Spiel des Grundurchganges mit 4:0 besiegen, so entschied im Staatsligafinalspiel am Samstag nach einem 3:3 im regulären Spielverlauf ein auf lediglich 5 Punkte gespielter „Satz“ über Jubel oder Tristes. Jubeln konnten leider am Ende nicht die Welser sondern die Niederösterreicher. Was den zahlreichen Fans in der Sporthalle in Baden zuvor über rund drei Stunden großteils geboten wurde, war Tischtennissport auf sehr hohen Niveau und zwar von beiden Seiten. In Spiel 1 zwischen Mihai Bobocica für Wels und dem austrochinesischen Weltklasseverteidiger Chen Weixing konnte sich dieser für die Niederlage von vor drei Wochen revanchieren. Trotz des am Ende deutlichen 3:0 Erfolges von Chen muss zur Ehrenrettung von Bobocica gesagt werden, dass jeder der drei Sätze auf Unterschied und in Satz 2 sogar erst im Nachspiel mit 13:11 an Chen ging. „Ich habe leider die sich mir bietenden Möglichkeiten zu wenig genutzt“, so Bobocica, der sowohl in Satz 1 wie in Satz 3 jeweils Punkteführungen aus der Hand gab.

In Spiel 2 erteilte dann der für Wels spielende Chinese Jianjun Wang dem jungen Österreicher David Serdaroglu eine wahre Lehrstunde und siegte glatt mit 3:0. Serdaroglu war mit dem Spiel von Wang über weite Strecken klar überfordert und agierte viel zu überhastet. Spiel 3 zwischen Zsolt Petö und dem Ungarn Janos Jakab lief leider überhaupt nicht für den schon die sechste Saison für Wels spielende Serben. In Satz 1 hatte Petö bei 10:8 zwei Satzbälle die Jakab abwehren konnte um dann im Nachspiel diesen Eingangsatz mit 12:10 für sich zu entscheiden. In den Sätzen 2 und 3 war dann Petö leider mental ein wenig von der Rolle und so war es nicht verwunderlich, dass er mit 0:3 den Kürzeren zog.

Nachdem die Welser Doppelpaarung Petö/Bobocica gegen Chen/Jakab trotz harter Gegenwehr und engen Sätzen mit 1:3 das Nachsehen hatte, schien die Partie sich schon vorzeitig für die Stockerauer zu entscheiden.

Dagegen aber hatte dann doch Jianjun Wang im Spiel gegen Chen Weixing etwas einzuwenden. Im wohl besten Spiel an diesem Nachmittag zeigte Wang seine Klasse und Routine und bezwang nach teils spektakulären Ballwechseln Chen Weixing in einem 5 Satz Krimi mit 3:2. Damit lebte für die Welser die Hoffnung auf den 2. Titel nach 2014 wieder auf.

Diese hielt dann Mihai Bobocica im sechsten und letzten regulären Spiel gegen David Serdaroglu aufrecht. Bobocica setzte sich gegen den Niederösterreicher recht sicher mit 3:0 durch.

Beim Stand von 3:3 musste dann nach dem sehr zu überdenkenden System ein sogenannter „Todessatz“ gespielt auf lediglich 5 Punkte die Entscheidung bringen. Für Wels ging noch einmal Wang an die Platte und für Stockerau der Ungar Jakab. Nach zwei absoluten Risikobällen bei denen Jakab wohl nicht selbst wusste wie ihm  geschah, konnte zwar Wang auf 1:2 und in der Folge noch auf 2:3 verkürzen, hatte beim siebten Ballwechsel viel Pech und verlor am Ende 2:5.

„Wenn du über den ganzen Grunddurchgang hin alles gewinnst und auch im Finale am regulären Ende ein 3:3 stehen hast, während dein Gegner im Grunddurchgang zwei Niederlagen und zwei Remis einfährt, dann bist du am Ende schwer gefrustet und leer im Kopf“, so Wels Boss Bernhard Humer, der in den kommende Tagen seine Akkus wieder mit anderen Dingen als Tischtennis auftanken will. Anfang Juli geht es dann sowieso wieder mit Vollgas in die neue Saison, so der umtriebige Wels Boss, der sich bei allen mitgereisten Fans noch persönlich bedankte.